Günther Uecker

Graphein I Gedächtnis des Tons

, 2002
  • Material
    Prägedruck
  • Edition Size
    120
  • Measurement
    50 x 70 cm
    Auflage 120
    handsigniert, datiert und römisch nummeriert
  • Details about the frame
    Handgefertigter, nussdunkel gebeizter Ahorn-Holzrahmen, inkl. Distanzleiste 10mm, Außenmasse ca. 76,2 x 56,2 cm, das Werk ist hochgestellt montiert, inkl. Museumsglas und rückseitiger Aufhängung
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Über das Werk

Fast nichts – und doch passiert unglaublich viel. Weißes Papier, kleine Erhebungen, keine Farbe. Mehr braucht Günther Uecker nicht, um eine Fläche in Bewegung zu versetzen. Licht und Schatten lassen die Punkte auftauchen und wieder verschwinden – das Blatt scheint zu pulsieren. Uecker ist vor allem für seine Nagelbilder berühmt. Seit Ende der 1950er-Jahre verwandelt er mit Hunderten von Nägeln starre Flächen in Wellen, Strömungen und vibrierende Strukturen. In seinen Prägedrucken wird aus dem Nagel nur noch eine Spur: Das schwere Metall verschwindet, seine Energie bleibt. Der Titel Graphein kommt aus dem Griechischen und bedeutet zugleich schreiben, malen und zeichnen. Für Prägedrucke der insgesamt zwölfteiligen Serie ließ sich Uecker von frühen Schriften verschiedener Zeiten und Kulturen inspirieren. So wirken auch die Punkte fast wie Zeichen einer unbekannten Sprache. In dem Werk "Gedächtnis des Tons" ziehen sie in großen, kreisförmigen Bahnen über das Blatt, werden dichter und kulminieren am rechten Rand. Fast wie ein Echo scheint sich die Bewegung über die Fläche fortzusetzen. Schrift wird Rhythmus, Rhythmus wird Bewegung – und aus einzelnen Spuren eine Sprache ohne Worte. Dem Werk stellte Uecker den ältesten Schriften der Menschheitsgeschichte gegenüber. Es geht hier um die visuellen Erscheinungsweisen von Schriftzeichen als Kulturträger, nicht um ihre inhaltliche Bedeutung.

Über den Künstler

Schon als Kunststudent machte Günther Uecker (geboren 1939 in der Nähe von Wustrow † 10. Juni 2025 in Düsseldorf) die Entdeckung, dass der Bleistift nicht nur als Zeichengerät, sondern auch anders ausdrucksfähig ist – wenn man das Papier mit ihm durchsticht. „Das war Realismus für mich. Die Emotionen sind in der Hand, die Hand ist das Werkzeug, und der Arbeitsplatz ist Kunst“, erklärte er später. Da war es zu Hammer und Nagel nicht mehr weit, mit denen Uecker seither Bilder und Objekte erarbeitet, für welche er weltweit gefeiert wird.

Uecker zählte zu den wichtigsten Nachkriegskünstlern Deutschlands überhaupt. 1961 wurde er Mitglied der von Heinz Mack und Otto Piene kurz zuvor gegründeten Gruppe ZERO und wandte sich daraufhin verstärkt der Lichtkunst zu. Wenige Jahre später, 1970, war er neben Karl-Georg Pfahler, Mack und Thomas Lenk deutscher Vertreter auf der Biennale in Venedig. Seine Hauptwerke, wie etwa seine genagelten Reliefs, werden heute am Kunstmarkt auf eine halbe Million Euro oder mehr taxiert. 2015 ehrte die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf den Aktionskünstler, Bildhauer, Bühnenbildner und Poeten mit einer umfangreichen Retrospektive.

Latest Exhibitions (Selection)

1964, 1968 und 1977 nahm Günther Uecker an der documenta in Kassel teil, 1970 war der Künstler eingeladen zur Venedig-Biennale.
2005 fand anlässlich seines 75. Geburtstages eine Retrospektive unter dem Titel „Zwanzig Kapitel“ im Martin-Gropius-Bau und in der Neuen Nationalgalerie, Berlin, statt.
2019 öffnete das Isfahan Museum of Contemporary Arts seine Türen für Ueckers “Huldigung an Hafez” ‒ die Ausstellung reist 2020 durch verschiedene Städte in ganz Iran.

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