Über die Grafik
Als flammende Liebeserklärung an Brigitte Meese lässt sich die Lithografie „Mutterz der Frühling (Totalität)“ verstehen. Für Jonathan Meese ist seine jüngst verstorbene Mutter „Chefin“ und „Vorbotin“ in seinem Streben nach einer „Diktatur der Kunst“. Unabdingbar und scheinbar unerschütterlich an seiner Seite.
Auf der „Kommandobrücke“ steht Brigitte „Mutterz“ Meese auch in seiner Arbeit mit dem Titel „Die Geburt der K.U.N.S.T. (Kampf der Kunst)“, das Eiserne Kreuz auf der Brust, eines der Hauptmotive des Künstlers, deren Ursprungsbedeutung er spielerisch hinterfragt.
An der deutschen Geschichte arbeitet sich Jonathan Meese immer wieder ab: „Kein Mampf“ heißt es in dem Blatt „Gehen wir zu mir, oder zu dir? (Kampf um Kunst)“. Sein Umgang mit Referenzen ist gewohnt und bewusst plakativ. Katzenohren zieren hier den Künstlerkopf – wie auch im Doppelporträt mit dem Leipziger Maler Neo Rauch in der Lithografie „Die 2 Blitzkämpfer im Mondblitz! (Kameradaddies im Erz)“. „Feinste Herrschaft!“, notiert Meese hier, im Hinblick auf das Künstlerpaar.
Fehlt nur noch einer: Jonathan Meeses Säulenheiliger, verewigt einmal mehr in „Hochradschlag „Richard Wagner“. „Kinder! Macht Neues!“, diesem Aufruf Wagners sieht sich Meese verpflichtet, genauso wie der unaufhörlichen Arbeit an nichts weniger als einem überbordenden „Gesamtkunstwerk“.
Die fünf von Schwarz, Rot und Goldgelb dominierten Lithografien sind anlässlich der Ausstellung „Feine Herrschaft“ in der Grafikstiftung Neo Rauch entstanden. Jonathan Meese bedient sich hier an seinem wiederkehrenden und tief in seiner Kunst verankerten Formen- und Begriffsrepertoire. Offen bleibt, wie es nach dem Tod der Mutter, seiner engsten Verbündeten, weitergeht. „Schenke mir in all deiner Güte einen Neuanfang!“, bat er seine Mutter in einem für das Magazin „Der Spiegel“ verfassten Abschiedsbrief. „Das alte Leben ist tot! Nur Zukunft tut Not.“
Über den Künstler
„Mir liegt das Direkte und Schnelle, es ist am radikalsten“, sagt Jonathan Meese. Das ist im druckgrafischen Werk des genreübergreifend arbeitenden deutschen Künstlers gut ablesbar. Für Meese ist Kunst Spiel und Spiel Kunst – das Gegenteil von Ideologie, Politik und Religion.
Der Künstler wurde mit seinem Beitrag für die erste, von Klaus Biesenbach, Hans-Ulrich Obrist und Nancy Spector kuratierte Berlin Biennale im Jahr 1998 international bekannt. Ob in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, im Pariser Centre Pompidou oder im MoMA PS1 in New York ‒ seine expressiven Arbeiten finden weltweit größte Beachtung. Jonathan Meese lebt und arbeitet in Berlin.