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Lothar Wolleh
Es greift zu kurz, Lothar Wolleh einfach nur als Fotografen zu bezeichnen. Er war ein leidenschaftlicher Freund und Förderer der Kunst, zugleich war er selbst ein Künstler ‒ ein Künstler, der andere Künstler fotografierte, einer, der mit technischer Präzision sein Medium, die Fotografie, herausforderte und innovative Projekte in Form von Künstlerporträts, Künstlerbüchern oder thematischen Fotomappen anschob. Neben Joseph Beuys lichtete Wolleh unter anderem Lucio Fontana, René Magritte, Otto Piene, Man Ray und Günther Uecker sowie deren Werke ab, oftmals aus eigener Initiative. Entstanden sind Arbeiten, die von großer Sensibilität und einem feinen Gespür für Bildkompositionen zeugen.
Lothar Wolleh, Günther Uecker I
Lothar Wolleh
Lothar Wollehs Werk geriet nach seinem Tod 1979 zunächst in Vergessenheit. Erst im Jahr 2005 fand in der Kunsthalle Bremen eine große Einzelausstellung mit dem zutreffenden Titel „Lothar Wolleh. Eine Wiederentdeckung ‒ Fotografien 1959‒1979“ statt. Die Schau wanderte im Anschluss in das Ludwig Museum Koblenz, das Kunstmuseum Ahlen und das Stadtmuseum Hofheim am Taunus weiter. 2012 zeigte der Hamburger Bahnhof ‒ Museum für Gegenwart in Berlin Wollehs im Januar 1971 entstandene Fotos von Joseph Beuys im Stockholmer Moderna Museet. Zu aktuellen Ausstellungen siehe https://www.lothar-wolleh.com/de/ausstellungen/.
Lothar Wolleh, Günther Uecker II
Juan de la Rica
„I like to say that the subject is nothing more than a MacGuffin, to use Hitchcock’s language, a plot excuse for the painting to advance.“ Jedes Motiv kann den technisch brillanten spanischen Maler Juan de la Rica zu neuen Werken motivieren – wie in den Filmen von Regisseur Hitchock eine beliebige Person, ein nebensächliches Objekt die Handlung vorantreiben kann. De la Ricas Faszination für die „Saltadora“, die sich an seinem signierten, neunfarbigen Siebdruck aus dem Jahr 2022 ablesen lässt, geht also nicht zurück auf die Springerin an sich, sondern auf die Herausforderung, sich diese Figur künstlerisch ganz zu eigen zu machen. Dabei verdankt sich der hohe Wiedererkennungswert seiner Arbeiten einem starken Formwillen und großer Ausdruckskraft. Die Werke, so scheint es auf den ersten Blick, sind aus der Zeit gefallene: Das 20. Jahrhundert hallt hier nach ‒ und doch ist ihnen ebenso die Jetztzeit auf wunderbare Weise eingeschrieben.
Juan de la Rica, Saltadora
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Bettina Krieg
Die Arbeiten von Bettina Krieg (geb. 1981), die in Berlin, Marseille und Canberra studierte und Meisterschülerin von Daniel Richter, Robert Lucander und Hans-Jürgen Diehl war, geben Fragen auf. Die mal zart, mal mit kräftigem Strich ausgeführten Zeichnungen bewegen sich zwischen Figürlichkeit und Abstraktion. Das Auge sucht nach Halt, findet Ankerpunkte, Details inmitten eines Strudels, dann verliert es sich wieder in der Tiefe der Zeichnung. Bewusst gibt die Künstlerin keine Antworten in Bezug auf Perspektive, Materialität, Anfang oder Ende. Ihre Werke tragen keine Titel, denn jeder sieht das, was er vermag.
Bettina Krieg, EASE
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René Holm
Mit der Arbeit „If you think you can do it better then fucking do it yourself “ kehrt René Holms zu den Anfängen seines Schaffens als Graffiti-Künstler zurück und macht klar: Hier steht die Botschaft selbst im Vordergrund. Holms setzt die Buchstaben im kräftigen Blau mit Nachdruck und nahezu blattfüllend auf das Papier – Kleckse und Schlieren entstehen, die die Dringlichkeit der Aussage nur noch weiter unterstreichen. Er spricht damit allen aus dem Herzen, die schon lange keine Lust mehr auf die ständige Besserwisserei haben. Macht es doch selbst! Mit diesem Werk an der Wand setzen Sie ein Statement!
René Holm , If you think you can do it better then fucking do it yourself
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Tobias Molitor
Die „Duty Free Bag“ von Tobias Molitor ist nicht denkbar ohne Brendan O’Regan, einen irischen Geschäftsmann, der als Vater der Duty-free-Shops gilt, die Molitor als ikonisch begreift: Auf allen Flughäfen dieser Welt zugegen, lassen sie sich als Symbol für ein Freiheitsversprechen verstehen, über das sich in diesen Krisenzeiten schon fast eine Art von Nostalgie gelegt hat. Sie ist Teil von Molitors „PlasticBag“-Serie, in der er Plastiktüten mit all ihren Gebrauchsspuren in einem aufwendigen Siebdruckverfahren fotorealistisch reproduziert und zu der auch die „AldiBag“ – als Hommage an Günter Fruhtrunk, den Schöpfer des berühmten Motivs auf der Aldi-Tüte – gehört. „Für mich sind diese Überbleibsel Souvenirs, Relikte und Beweismittel einer visuellen Kultur des Menschen und der menschlichen Existenz im Allgemeinen“, sagt Molitor, der in seinem künstlerischen Schaffen Alltagsobjekten und Konsumartikeln eine ungeahnte Poesie einhaucht.
Tobias Molitor, Duty Free Bag
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Candida Höfer
Seit über 30 Jahren richtet Candida Höfer ihre Kamera auf die Innenräume von Kulturstätten. Ob Museumshallen, Bibliotheken oder auch einmal ein Zoologischer Garten: Bei Höfer sind sie völlig menschenleer, aber zugleich voll gefühlter Anwesenheit und gelebter Geschichte – das ist zum Markenzeichen der gebürtigen Eberswalderin geworden. Dabei manipuliert die Künstlerin nichts: Kein Stuhl in der Kantine des Spiegel-Verlags wird verrückt, kein Vorhang im Florentiner Palazzo Vecchio beiseitegeschoben. Mit der Kamera hält sie rare Momente der Leere und Stille in diesen Räumen fest und bewahrt damit auf Ewigkeit die Vermächtnisse unserer Vergangenheit.
Neben Thomas Ruff, Andreas Gursky und Thomas Struth steht Candida Höfer längst an der Spitze der internationalen Kunstszene. Ihre Arbeiten sind in Sammlungen wie den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München oder der Londoner Tate Collection vertreten.
Candida Höfer, Reggia di Portici
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Linder Sterling (genannt Linder)
Seit nunmehr 40 Jahren prangert die britische Künstlerin Linder (*1954 in Liverpool) den Objekt-Status der Frau an. Das Werk der Feministin ist ein Beitrag zur Befreiung von althergebrachten Geschlechterrollen. Linder verwendet in ihren Collagen Bilder aus Pornomagazinen und verschiebt deren Bedeutung. Sie kombiniert diese Bilder mit alltäglichen, banalen Fotos von Kuchen, Blumen und Haushaltsgegenständen. Eine dieser Collagen ziert das berühmte Plattencover „Orgasm Addict“ der englischen Punkrock-Band „Buzzcocks“. Auch für den Sänger Morrissey gestaltete Linder einige Plattencover. Die beiden KünstlerInnen verbindet eine enge Freundschaft.
Linder Sterling (genannt Linder), Girls of the World VII
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Antoni Tàpies
Erde, Leim und Marmorstaub – der aus Barcelona stammende Maler Antoni Tàpies, der als Hauptvertreter des spanischen Informel gilt, arbeitete mit außergewöhnlichen Materialien und gab seinen Werken so eine reliefartige Struktur. Der Künstler trug dicke Farbpasten auf die Leinwand auf, ritzte geheimnisvolle Zeichen und Symbole hinein. So drang er in den Bereich des Mystischen, des Spirituellen vor. Wie die Surrealisten, die ihn anfangs beeinflussten, folgte Tàpies Prozessen des Unbewussten. Obwohl er als einer der größten Künstler unserer Zeit gefeiert wird, sah sich der 2012 mit 88 Jahren verstorbene Maler selbst als „einfacher Amateur“, bis zuletzt „auf der Suche nach dem perfekten Bild“.
Antoni Tàpies, Clau del Foc IV
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Werner Reuber
Er war Meisterschüler bei Gerhard Richter und 1976 Gründungsmitglied der ersten Düsseldorfer Produzentengalerie: Werner Reuber (geb. 1947). Der Künstler ist neben der Malerei, Druckgrafik (Holzschnitt) und Zeichnung auch in den Feldern der Keramik und Fotografie sowie des Films tätig. Seit 1982 ist Reuber Teil der Künstler*innengruppe „Die Langheimer“. Ironie und Komik zeichnen sein eigenes Werk und das der „Langheimer“ aus. Auf diese Weise nähert er sich immer wieder neu dem komplexen Beziehungsgeflecht zwischen Mann und Frau. Reuber, der in Düsseldorf lebt und arbeitet, ist in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen vertreten.
Werner Reuber, Mann mit Mohnblume & Frau mit Kornblume
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Joseph Beuys
Die handsignierte Radierung „Raumecke, Filz, Fett“ von 1982 gehört zu Joseph Beuys’ grafischem Zyklus „Suite Zirkulationszeit“. Für diese Serie aus insgesamt 21 Blättern hat er neben Tieren und menschlichen Figuren auch diese Raumecke gezeichnet, die auf den ersten Blick an eine technische Zeichnung erinnert. Für Beuys hatte Fett jedoch stets eine besondere Bedeutung als Wärme speicherndes Material ‒ um die Speicherung von Energie als Verweis auf sich kontinuierlich verändernde Existenz- und Konsistenzzustände ging es Beuys in seiner Kunst. Und so erscheint es nur logisch, dass er den sorgfältig gestalteten Stempel „Hauptstrom“ mit (Braun-)Kreuz prominent auf dieser Grafik platziert, womit seine Edition klug-beiläufig zu einer wichtigen Botschafterin seiner Kunsthaltung wird.
Joseph Beuys, Zirkulationszeit: Raumecke, Filz, Fett
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Lukas Glinkowski
Der 1984 im polnischen Chelmno geborene Wahlberliner Lukas Glinkowski involviert uns als Rezipient*innen immer wieder in sein Werk, nicht nur mithilfe von Spiegeloberflächen, teils lädt er auch zu konkreten Mitmalaktionen ein. Sein Inspirationsfeld ist der öffentliche Raum. Der Schriftzug „Just keep swimming“ verweist auf seine Vorliebe für Graffitis, aber auch für Wandkritzeleien, wie sie häufig auf Wänden, Fliesen oder eben Spiegeln in Clubtoiletten und U-Bahn-Tunneln zu finden sind. Den Maler interessiert die multiple Urheberschaft solcher „Werke“ genauso wie die offenen Interpretationsmöglichkeiten der hinterlassenen Botschaften, die uns mit gesellschaftlichen oder auch ganz persönlichen Sinnfragen konfrontieren.
Glinkowski war Meisterschüler bei Katharina Grosse an der Kunstakademie Düsseldorf. Der Preisträger des Berlin Hyp-Preises von 2018 erhielt 2019 ein Stipendium der Villa Aurora in Los Angeles.
Lukas Glinkowski, Just Keep Swimming
Joachim Lambrechts
„2 alligators resting on the shore after breakfast“ heißt es titelgebend auf dem exklusiv für artflash entstandenen Siebdruck, der in sandigem Gelb oder pastelligem Blau erhältlich ist. Diesen Satz hat Joachim Lambrechts nach dem Druck mit Ölkreide nebst der Signatur händisch ergänzt. Er integriert häufig Text, in dem sich der Humor seiner Arbeiten widerspiegelt und der beschreibt, was wir vermeintlich sehen, der ihm aber auch als formales Strukturierungselement dient. „Worte halten das Gemälde oft in der Balance“, sagt der Künstler, und manchmal seien sie fast so wichtig wie das Motiv selbst. Das für Lambrechts’ Werk typische Zweidimensional-Flächige der Krokodile unterstreicht noch einmal die Unbefangenheit, die dem Entstehungsprozess zugrunde liegt. Und seine Strategie geht auf: Uns bleibt gar nichts anderes übrig, als in der Serigrafie zwei frühstücksgesättigte Krokodile an der Küste zu sehen und ihren Anblick schmunzelnd zu genießen!
Joachim Lambrechts, 2 alligators resting on the shore after breakfast - blue
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Franck Noto
Diese Farben! Diese Gesten! Die abstrakten Werke des französischen Künstlers Franck Noto (*1980 in Montpellier) erinnern in ihrer Intensität an Naturschauspiele, deren wirkungsvoller Zauber nie ganz zu greifen ist. So lässt sich seine exklusiv für artflash entstandene signierte Serigrafie mit dem Titel "Swimming Circles“ mühelos mit den Pastelltönen des Himmels bei auf- oder untergehender Sonne assoziieren. Gleichzeitig lässt der Duktus seiner Arbeiten keinen Zweifel daran, dass sie tief in der Graffiti-Kunst wurzeln – Noto begann bereits als 15-Jähriger zu sprayen und reiste später als ZEST mit dem Kollektiv TDM um die Welt. Aus diesem Spannungsverhältnis entwickelt sich ein erstaunlicher Sog, ein verführerisches und singuläres visuelles Vokabular, das keiner rationalen Entschlüsselung bedarf.
Franck Notos Werke sind in internationalen Solo- und Gruppenausstellungen zu sehen. Seine künstlerische Handschrift zeigt sich auch in zahlreichen Murals an Orten weltweit, darunter Montpellier, Bordeaux, Buenos Aires, Las Vegas, Zaragoza oder Heidelberg.
Franck Noto, Swimming Circles
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Wolfgang Tillmans
Wolfgang Tillmans, 1968 geboren, gilt als einer der wichtigsten deutschen Fotokünstler. Bekannt wurde der Turner-Preisträger in den 1990er-Jahren als Chronist seiner Zeit mit ungeschönten Porträts seiner engsten Freunde, etwa in der Serie „Chemistry Squares“ (benannt nach einem Club in London), 15 kleinformatigen Schwarz-Weiß-Bildern von Jugendlichen auf Ecstasy. Der gelebte Moment wird in diesen Arbeiten öffentlich gemacht und das Private zur Kunst erhoben, aber der Schein trügt: Seine „Schnappschüsse“ sind sorgsam komponiert. Tillmans’ vielschichtiges Werk umfasst neben Porträts auch Stillleben, Abstraktes, All-Over-Installationen sowie Fotografien auf Basis von Fotokopien.
Wolfgang Tillmans, Kepler Venice Tables
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Eberhard Havekost
Trau' keiner Fotografie! „Malerei ist eine Lüge, die näher an der Wahrheit ist als Fotografie“, so formuliert es Eberhard Havekost. Und stiftet uns mit seinen Bildern an, unsere Wahrnehmung zu hinterfragen. Der in den 90ern neben Neo Rauch und Thomas Scheibitz zum neuen Superstar der ostdeutschen Malereiszene auserkorene Dresdner Havekost verfremdet beispielsweise Sonnenuntergänge so, dass die Apokalypse bei der Sehnsucht Pate steht, die den Menschen angesichts dieses Naturschauspiels befällt. „The End“ hat der Malereiprofessor der Düsseldorfer Kunstakademie diese Serie genannt. Havekost glaubt nicht an ein bezifferbares Wesen der Dinge, er glaubt an die Widersprüche – und Möglichkeiten. 2019 ist Havekost überraschend verstorben.
Havekosts Werke befinden sich in den Sammlungen des Museum of Modern Art in New York und des Denver Museum sowie in der Sammlung Marx, in der in Miami ansässigen Rubell Family Collection oder auch in der Sammlung Frieder Burda in Baden-Baden und der Londoner Tate Collection.
Eberhard Havekost, AU
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Victor Vasarely
Sein malerisches Schlachtfeld war die geometrische Abstraktion. Und ihr fügte Victor Vasarely durch raffinierte Raumsuggestionen eine entscheidende Komponente hinzu: den optischen Effekt. Deshalb gilt der in Ungarn geborene Künstler (1908‒1997) als Vater der sogenannten Op-Art. Diese fordert uns mit wahrnehmungspsychologischen Wirkungen von Bildmustern heraus, löst Bewegungs- oder Flimmereffekte auf der Netzhaut aus. In die Kunst Vasarelys flossen auch seine Erfahrungen als Grafiker ein. Für die Olympiade in München 1972 entwarf er das offizielle spiralenförmige Logo. Und auch die Raute von Renault entstammt seinem Zeichenblock. Von 1955 bis 1968 waren seine Arbeiten regelmäßig auf der Kasseler Documenta zu sehen. Vasarely gründete im Jahr 1976 die Fondation Vasarely in Aix-en-Provence. In seiner Geburtsstadt Pécs eröffnete 1976 das Vasarely-Museum. Ein weiteres folgte 1987 in Budapest.
Victor Vasarely, YKA
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Cecily Brown
„The Tribulations of St. Anthony“ heißt die handsignierte Aquatinta-Radierung von Cecily Brown, entstanden in Auseinandersetzung mit dem berühmten Kupferstich gleichen Themas von Martin Schongauer, einem deutschen Meister des 15. Jahrhunderts. Auf den ersten Blick ist Browns Werk gestisch-abstrakt, es dominieren die Farben Ockergelb und Braunrot; erst auf den zweiten Blick erkennt man im Bildzentrum den dämonenumschwirrten Heiligen.
Die britische Künstlerin schöpft immer wieder aus der Kunstgeschichte. Sie sei Malerin, weil sie auf das antworten wolle, was ihr vor allem in der Kunst der vorangegangenen Jahrhunderte begegne. Die Münchner Pinakothek der Moderne hat sie jüngst als eine der aufregendsten Positionen der aktuellen Gegenwartskunst präsentiert ‒ überzeugen Sie sich selbst!
Cecily Brown, The Tribulations of St. Anthony
Rose Wylie
„The whole business about being an artist is you don’t have to do what you’re told to do. There are no rules.“ Das sagte Rose Wylie 2020 in einem Interview. Und in ihrer Kunst ist dieser Freiheitsgedanke augenscheinlich verwirklicht. Die Arbeiten der britischen Künstlerin wirken unmittelbar, ihre Lebendigkeit springt uns an. In ihrer Lithografieserie „Things around the House“ von 2016 zeigt sich dieses Spielerische, auch in Abgrenzung zum Zögerlichen, zum Konzeptuellen. Ganz unterschiedlich gestimmte Frauen, Insekten, teils flatternd, ein krabbelndes Spinnentier, eine Doppeltür mit Fenstern, geschlossen – Wylie konzentriert sich auf die Essenz von Dingen und Menschen, auf das, was ihr mehr oder weniger zufällig begegnet, wie es sich ihr zeigt.
Rose Wylie, Things around the house VI
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Rose Wylie
Die Arbeiten der britischen Künstlerin wirken unmittelbar, ihre Lebendigkeit springt uns an. In ihrer Lithografieserie „Things around the House“ von 2016 zeigt sich dieses Spielerische, auch in Abgrenzung zum Zögerlichen, zum Konzeptuellen. Ganz unterschiedlich gestimmte Frauen, Insekten, teils flatternd, ein krabbelndes Spinnentier, eine Doppeltür mit Fenstern, geschlossen – Wylie konzentriert sich auf die Essenz von Dingen und Menschen, auf das, was ihr mehr oder weniger zufällig begegnet, wie es sich ihr zeigt. Zwei ihrer Fundgruben sind ihr Haus und ihre Umgebung in Kent. 1934 dort geboren, ist sie bis heute der Grafschaft treu geblieben. Sie begann früh zu malen, setzte lange aus, um ihre Kinder großzuziehen, begann erneut. Und nun hat sie Erfolg, großen, sehr späten Erfolg. Wylie scheint das nicht zu kümmern: „Suddenly, it all came together“, meint sie, „but the work is no different, and I’m no different.“
Rose Wylie, Things around the house V
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Christo & Jeanne-Claude
Stoff war der Stoff, aus dem die Träume von Christo (1935‒2020) und Jeanne-Claude (1935‒2009) waren. Und es brauchte viel Stoff, denn ihre Fantasien waren groß: Sie verhüllten einen Küstenstreifen in Australien, spannten einen Vorhang durch ein Tal in den Rocky Mountains, stellten 1.340 blaue Schirme im japanischen Ibaraki und 1.760 gelbe Schirme in Kalifornien auf oder errichteten Tore mit Stoffbahnen auf einer Strecke von 37 Kilometern im New Yorker Central Park.
Christo & Jeanne-Claude, Over the River II (Underneath)
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Olaf Hajek
Ein wundersames „Nest“ trägt die Frau auf Olaf Hajeks gleichnamigem, von Hand koloriertem Fotodruck aus dem Jahr 2015 auf dem Kopf. Es besteht aus Vögeln, Blättern sowie Gesichtern, zudem sind Augen zu erkennen, die uns direkt anschauen oder, wie es die Dargestellte tut, an uns vorbeisehen: Detailreich schmückt der Künstler das Haupt dieser stolzen, nachdenklichen Frau.
Folkloristische Kunst aus Afrika inspirierte den Maler Hajek zu seiner sogenannten „Flowerheads“-Serie, in die sich die „Nest“-Edition einreihen lässt. Fantasievoll verbindet er hier das Genre Stillleben mit der Porträtmalerei und lässt mystisch geformte Frisurenwelten entstehen. „Die Malerei ist für mich ein intuitiver und emotionaler Akt“, sagt Hajek, der weltweit auch als Illustrator gefeiert wird. So erzählt er uns immer neue, nie ganz zu ergründende Geschichten.
Olaf Hajek, Nest
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John Cage
Der „Mozart Mix“ von John Cage ist das wahrscheinlich erste Sound-Multiple überhaupt. Herausgeber René Block arbeitete damals eng mit dem Künstler zusammen. „Nach der Klanginstallation ‚33 ½‘ von 1982 existierte der Wunsch nach einem Multiple, das Cages Idee von Klang repräsentieren könnte.“ Bei „33 1/3“ wurde aus einem Konzertstück eine Installation, in der das Publikum aus 100 Schallplatten an 12 Plattenspielern eine Klangmischung erschaffen konnte. „1991 – zum Mozartjahr – entstand dann ‚Mozart Mix‘“, so Block. Eine Klanginstallation in einem Holzkasten, hergestellt in einer Auflage von 35 Exemplaren, Mozarts Lebensjahren entsprechend. 25 Endloskassetten unterschiedlicher Länge enthalten verschiedene Mozart-Stücke, jeweils fünf werden gleichzeitig abgespielt – ein neuer Soundmix entsteht.
John Cage, Mozart Mix
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Irina Mmur
„The main component of my work is interaction between reality, subconsciousness and intuitive conversation with the image at the moment of creation“, schreibt die Malerin Irina Mmur in ihrem künstlerischen Statement. Die Entstehung des Kunstwerks sei ein intimer Moment des Eintauchens in eine Fantasiewelt, geprägt von Fragilität, Emotionen, Gefühlen, Neugierde, Sexualität und Ängsten, aber auch voller Power, sagt sie, und ordnet ihre Arbeiten dem figurativen Symbolismus zu.
Irina Mmur, Close on, close off
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Jannis Kounellis
Jannis Kounellis zählt zu den prägendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Der 1936 in Griechenland geborene Künstler wählte Italien zu seiner Heimat. Als er 1969 zwölf lebende Pferde in einem Galerieraum in Rom anband, gelang ihm eine Revolution: Kounellis brach nicht nur mit dem sterilen Ambiente einer Galerieshow, er ersetzte auch das klassische Tafelbild. Statt eines gerahmten Gemäldes nagelte er ein Leinentuch an die Wand, hing Eisenplatten davor, klemmte Mäntel dazwischen und befestigte Kohlebrocken an der Decke.
Jannis Kounellis, Senza Titolo
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Piero Dorazio
Der italienische Maler, Grafiker, Bildhauer, Kunstlehrer, Autor und Publizist Piero Dorazio gilt als einer der führenden Vertreter der konkreten Farbmalerei und als Pionier der abstrakten Kunst in Italien. Dorazio wurde 1927 in Rom geboren und begann schon als Teenager zu malen und zu zeichnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte er seine Werke mit anderen progressiven Künstlern, u.a. Mitgliedern der „Forma 1“, der ersten Künstlergruppe abstrakter Malerei in Italien, aus. Ab 1945 studierte Dorazio Architektur in Rom, 1947 erhielt er ein Stipendium an der École nationale supérieure des Beaux-Arts in Paris und traf dort berühmte Kollegen wie Georges Braque oder Henri Matisse. Zurück in Rom, gründete er ebendort und in Florenz die Galerie „Age d'Or“, um die abstrakte Kunst salonfähig zu machen, und schrieb außerdem Kunstkritiken. Während eines Stipendienaufenthalts an der Harvard University 1953 freundete er sich mit Vertretern des Abstrakten Expressionismus wie Marc Rothko, Robert Motherwell und Barnett Newman an. Dorazio erhielt u.a. den Prix Kandinsky.
Piero Dorazio, Aurora
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Arthur Elgort
„I love...“ ist der Titel dieser großartigen Collector´s Edition, eine über 200 Seiten starke Liebeserklärung des US-amerikanischen Modefotografen Arthur Elgorts an die Frau – an ihre Schönheit, Weiblichkeit, Ausstrahlung und Stärke!
Zu der Publikation gehört die auf 30 Stück limitierte Foto-Edition von Elgort, die das Supermodel Gia Ciangari in einem ungewöhnlichen Moment portraitiert: barbusig und mit Lockenwicklern in den Haaren. Entstanden ist das Foto 1980 auf Fire Island. Die damals 20-jährige Gia war zu der Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, im selben Jahr zierte sie das Cover der amerikanischen Vogue.
Elgort gewährt uns mit dem Foto einen sehr intimen Einblick in das Leben eines Supermodels, das 1986 tragisch endete. Gia Ciangari starb 1986 an einer Überdosis Heroin.
Arthur Elgort, I love ... 'Gia Carangi', Fire Island, 1980
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Julio Le Parc
„Alchemie“ (spanisch „Alchimie“), das ist nicht nur der Titel dieser handsignierten und nummerierten Lithografie aus dem Jahr 2018 ‒ eine ganze Serie im Werk des argentinischen Künstlers Julio Le Parc (*1928 in Mendoza) ist so benannt, ihr Ursprung reicht weit zurück, in Form von kleinen Skizzen, die Ende der 80er Jahre entstanden. „Diese ‚Alchemien‘ sind Teil meiner gelebten Abenteuer, die ihren Ausdruck in meiner Arbeit als experimenteller Künstler finden“, hat Le Parc einmal gesagt. Farbe, Variation und Bewegung – das sind die Felder, in denen er sich bewegt. In dieser Edition formen die Anordnung und die sich verändernde Dichte der Farbpunkte durch Überlagerungen ein an Windräder oder Blüten erinnerndes Motiv, das mit jenen flirrenden Momenten spielt, die der Op-Art eigen sind. Le Parc gilt als ihr Vorreiter und Visionär, auch in Bezug auf die kinetische Kunst, er selbst wollte allerdings nie darauf festgelegt werden. Zart im Ausdruck und in spielerischer Weise, wie es für den Künstler so charakteristisch ist, erinnert uns diese vielfarbige Arbeit daran, dass es im Leben keinen Stillstand gibt – genauso wenig wie in der Kunst.
Julio Le Parc , Alchimie
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Bianca Kennedy
Ist die Badewanne der letzte Ort des Rückzugs und der Kontemplation? Die transformierende Kraft des Wassers in der Wanne, die als Dreh- und Angelpunkt besonders in Filmen genutzt wird, fängt Bianca Kennedy mit ihrer Edition „Portraits of Taking a Bath in Movies“ ein. Denn im Film spielt die Badewanne und das, was in ihr passiert, eine besondere Rolle: als Ort von lebensverändernden Geheimnissen, von Mord und Totschlag oder auch als Beichtstuhl, in dem Verborgenes preisgegeben wird.
Bianca Kennedy, Serie
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Bianca Kennedy
Ist die Badewanne der letzte Ort des Rückzugs und der Kontemplation? Die transformierende Kraft des Wassers in der Wanne, die als Dreh- und Angelpunkt besonders in Filmen genutzt wird, fängt Bianca Kennedy mit ihrer Edition „Portraits of Taking a Bath in Movies“ ein. Denn im Film spielt die Badewanne und das, was in ihr passiert, eine besondere Rolle: als Ort von lebensverändernden Geheimnissen, von Mord und Totschlag oder auch als Beichtstuhl, in dem Verborgenes preisgegeben wird.
Bianca Kennedy, Serie
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Bianca Kennedy
Ist die Badewanne der letzte Ort des Rückzugs und der Kontemplation? Die transformierende Kraft des Wassers in der Wanne, die als Dreh- und Angelpunkt besonders in Filmen genutzt wird, fängt Bianca Kennedy mit ihrer Edition „Portraits of Taking a Bath in Movies“ ein. Denn im Film spielt die Badewanne und das, was in ihr passiert, eine besondere Rolle: als Ort von lebensverändernden Geheimnissen, von Mord und Totschlag oder auch als Beichtstuhl, in dem Verborgenes preisgegeben wird.
Bianca Kennedy, Serie
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John Baldessari
In der Edition „Picture in a Frame“ hat John Baldessari gleich zwei Zitate versteckt. Er bezieht sich mit dem Werk auf den gleichnamigen Song des US-amerikanischen Singer-Songwriters Tom Waits und liefert damit quasi den Soundtrack zur Betrachtung des Werks. Der Titel hält erst einmal nüchtern fest, was wir vor uns haben: ein Bild in einem Rahmen. „I love you baby and I always will / Ever since I put your picture in a frame“, heißt es dagegen hochromantisch bei Waits. Verpackt Baldessari hier also eine Liebeserklärung an die Malerei? Der Künstler zeigt uns ein – gespiegeltes – Detail aus Gustave Courbets Gemälde „L’Hallali du cerf“, in dem der französische Maler 1867 auf großer Leinwand den Tod eines Rothirschs während einer Parforcejagd festhielt. Vielleicht lässt sich Baldessaris zeitgenössische Antwort darauf als Reset-Taste interpretieren, das vermeintlich überkommene Genre ausgerechnet anhand von zum Klischee geronnenen Hirsch- und Jagddarstellungen noch einmal neu und vorurteilsfrei zu betrachten.
John Baldessari, Picture in a Frame
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Rosemarie Trockel
„Die Ironie kommt immer zum Einsatz, wenn ich bissig werden muss. Das ist ein Laster, das mich davor schützt, zynisch zu werden.“ Das sagte Rosemarie Trockel 1987 in einem Interview. In ihrer signierten und nummerierten Edition „The Steinem Look“ aus dem Jahr 2011 ist dies ganz offensichtlich der Fall. Denn dass die feministische Ikone Gloria Steinem hier auf ihren „Look“ reduziert wird, wird ihrer Rolle natürlich in keinster Weise gerecht – und wirft doch ein Schlaglicht auf die Wahrnehmung von Frauen in der Öffentlichkeit, die bis heute mehr Kontinuitäten als Brüche erlebt. Steinem gründete 1971 mit „MS“ die erste feministische Zeitschrift und wurde zur Mitbegründerin der modernen Frauenbewegung in den USA. Rosemarie Trockels künstlerische Karriere begann in den 1980er Jahren, in denen politisch Konservative dazu aufriefen, sich auf „traditionelle“ Familienwerte zu besinnen. Ihre Werke waren damals auch Teil der berühmt gewordenen Gruppenausstellung „Eau de Cologne“, in der die Galerie Sprüth Magers ausschließlich Künstlerinnen zeigte – in der fand 1983 auch die erste Einzelausstellung Trockels statt. Nur fünf Jahre später waren Rosemarie Trockels Arbeiten dann im New Yorker MoMA zu sehen.
Rosemarie Trockel, The Steinem Look
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Peter Fischli / David Weiss
Das „Haus“ von Fischli/Weiss ist weltberühmt: die Nachbildung eines unscheinbaren, modernistischen Gewerbegebäudes im Maßstab 1:5. Es gilt als ein Hauptwerk der Künstler. Auch hiermit huldigen sie dem Alltäglichen. Ursprünglich entworfen für die „Skulptur Projekte Münster“-Ausstellung im Jahr 1987 – platziert abseits touristischer Pfade neben einer Würstchenbude –, danach in einer wetterfesten Version nachgebaut aus Aluminium und mit einem Farbanstrich versehen. Es sollte ein biederes, Gewöhnlichkeit ausstrahlendes Haus „mittelständiger Macht und Prachtentfaltung“ sein, wie es Fischli/Weiss im Projektantrag formulierten. Die gleichnamig betitelte handgeklebte Collage zeigt die Installation vor dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York. Genau dort stand das „Haus“ tatsächlich anlässlich der Fischli/Weiss-Retrospektive im Jahr 2016 – im bestmöglichen Gegensatz zur ikonischen Architektur von Frank Lloyd Wright. „Mich interessiert die Frage nach der Illusion des Echten, Authentischen und der Aufrichtigkeit des Nachgemachten, Un-Authentischen“, sagte Peter Fischli einmal. Zu groß für ein Modell und zu klein für ein Gebäude – näher dran am echten Leben geht wohl kaum.
Peter Fischli / David Weiss, Haus
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Wolfgang Tillmans
1998 zeigte Tillmans erstmals „nicht mit der Kamera gemachte Bilder“. Hierzu hat er entweder unbelichtetes Fotopapier oder solches, das vorher unterschiedlich farbigen Lichtquellen ausgesetzt war, durch die Entwicklungsmaschine geführt, wobei diese noch Spuren von Chemikalien oder Wasser enthielt. Indem das Papier diesen Vorgang durchläuft, kommt es zu Schlieren, Kratzern, Druckstellen oder anderen unvorhergesehenen Veränderungen. Auch für Fotografie von 2005, die Vorlage für den signierten Offsetprint mit dem Titel „It´s Only Love, Give It Away“ war, nutzt Tillmans dieses experimentelle Vorgehen. Das Ergebnis ist eine verblüffend körperliche, farbintensive und zugleich zarte Fotografie, deren letzte Exemplare wir heute auf artflash präsentieren.
Wolfgang Tillmans, It´s Only Love – Give It Away
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Jurgen Ostarhild
Seine Karriere begann Jurgen Ostarhild Ende der 70er Jahre als junger Assistent von Oliviero Toscani, später vieldiskutiert für seine kontroversen Benetton-Kampagnen. Im Sommer 1979 wechselte er nach New York, wo er als Studioassistent des britischen Mode- und Porträtfotografen Albert Watson arbeitete, dessen Arbeiten regelmäßig die Cover der „Vogue“ oder des „Rolling Stone“ schmückten. Zurück in Deutschland, gründete Ostarhild 1982 dann sein eigenes Studio.</p>
<p>Später weltweit bekannten Fotografen wie Wolfgang Tillmans, Terry Richardson oder Juergen Teller ebnete er den Weg. Er hingegen ist bis heute zu Unrecht nur Insidern ein Begriff, dabei war seine Arbeit genrebildend. So erkannte er die Qualität des Schnappschusses als fotografisches Ausdrucksmittel, brachte die Action in die Modefotografie, schuf einzigartig intime, schonungslose Porträts und fotografierte superclose. </p>
<p>Seit 2010 arbeitet Ostarhild an einer Serie von Werken, die den Hexadezimalcode seiner Digitalfotos zeigen. 2019 zeigte er Beispiele daraus in einer Ausstellung am Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie (IKKP) in Rehau.
Jurgen Ostarhild, KISS, Rue des Petites Ecuries, Paris 1999, c
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George Byrne
A swim ring’s shadow shimmers in the turquoise of a hotel pool. The angular railing of a single stair step appears like a sculpture, out of place. A dissimilar pair of palm trees reaches into the infinity of the clear blue sky, one of them completely in white. Its shadow likewise appears misplaced: Its stage is a light green wall adjacent to a deserted parking space. Shadows, palm trees, anonymous buildings, lifeless places, bizarre details — photographer George Byrne, born 1976 in Sydney, looks where nothing appears to be happening at all. But the street and landscape photography radiates, it is pure joie de vivre. A road movie that passes through enchanting colours, glimmering lights and unusual image compositions.
Byrne graduated from Sydney College of The Arts in 2001, travelled extensively, and then settled in Los Angeles in 2010 where he has been focusing on his photographic practice.
George Byrne, 99c Silverlake #3
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