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Jack Pierson
Jack Pierson arbeitet in unterschiedlichen Medien: Skulptur, Fotografie, Video und Zeichnung. International bekannt ist der US-amerikanische Künstler, geboren 1960 in Plymouth, Massachusetts, für seine Künstlerbücher wie „The Hungry Years“ und Installationen aus Buchstaben- und Wortschildern. 1991 hat Pierson erstmals alte Buchstaben, einst Werbeschriften oder Beschriftungen von Gebäuden, zu neuen Wörtern oder Sätzen zusammengefügt. Seine kurzen Statements wirken gleichermaßen politisch und poetisch auf den Betrachter. Auch seine Fotografien sind vielfältig. Pierson hat Prominente im Bild festgehalten, etwa Naomi Campbell, Snoop Dogg oder Brad Pitt. Aufmerksamkeit erregte er außerdem mit seiner Publikation „Self-Portrait“ (2003), für die er gut aussehende Männer unterschiedlichen Alters fotografierte, nicht aber sich selbst. Zeigt sich darin ein ausgeprägter Sinn für Ironie, spielen darüber hinaus Gefühle eine wichtige Rolle in Piersons Werk.
Jack Pierson, YELLOW ROAD
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John Baldessari
Mit John Baldessaris Lithografie „Hot Tub“ (2016) reisen wir in die Vergangenheit. Das Foto zeigt eine Aufnahme aus den 70er Jahren. Ein Paar sitzt in einem Whirlpool, er hält einen Drink mit Eiswürfeln in der rechten Hand, umschlingt mit dem linken Arm seine Partnerin. Was tut sie? Sie schmiegt sich an seinen Körper. Irritierend, charmant und humorvoll: Das Paar sitzt angekleidet im sprudelnden Whirlpool-Wasser. Er trägt ein Hemd und sie eine Bluse, der Stoff klebt nass an ihren Körpern. Wer ist dieses Paar in Partystimmung? Baldessari macht eine Identifizierung unmöglich, mit Filzstift hat der Künstler die Gesichter unkenntlich gemacht. Datenschutz analog!
John Baldessari, Hot Tub
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Jagoda Bednarsky
Als „Shadowland (signature edition)“ bezeichnet Jagoda Bednarsky ihre zehn – immer wieder anders kolorierten – Aquarelle, die alle Unikatcharakter besitzen. „Shadowland“ („Schattenland“), so heißt auch eine ganze Werkserie der Berliner Malerin, in der sie sich mit dem Bild der Frau und dem Muttersein auseinandersetzt. Den Titel hat sie einer 1919 in New York erstmalig erschienenen gleichnamigen Kulturzeitschrift entlehnt. Mal zeigt Bednarsky den konkreten Stillmoment ‒ Baby und Brust in Nahaufnahme ‒, mal wird die weibliche Brust zum ‚Schutzschirm‘ in einer Regenszenerie oder, wie in diesen Acrylarbeiten, zum aufragenden Gebirge inmitten einer Hügellandschaft. Die Realität hält Einzug in Bednarskys Werken – der kunstvoll geschwungene Schriftzug ihres Namens am Himmel deutet an, dass es in ihren Arbeiten auch um eigene Erfahrungen geht. Doch das Abstraktionsmoment ist stets stark genug, um assoziative Reflexionsprozesse wie jene über den weiblichen Körper oder tradierte Rollenklischees in Gang zu setzen. Selbstbewusstsein, Eigensinn und Ironie sprechen aus diesen genauso sinnlich-poetischen wie fantastisch-witzigen Werken.
Jagoda Bednarsky, Shadowland (Signature Edition) 8
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Èva Beresin
„The story of where I come from and who I am today seems an inexhaustible source.“ Die in Wien lebende ungarische Künstlerin Éva Beresin beschreibt hier, woraus sie schöpft, und offenbart zugleich einen wesentlichen Eindruck ihres Werks: die Intimität. Beresins Herkunft ist fundamental für das Verständnis ihres künstlerischen Schaffens. Als Kind zweier Holocaust-Überlebender haben sich die Gräuel des Zweiten Weltkriegs auch in ihr eigenes Körpergedächtnis eingeschrieben. Denn die Traumata der Eltern endeten nicht mit deren Tod. „Sometimes in the paintings, I am moving naked and vulnerable, in order to be able to start a dialogue with those I was never able to actually meet“, schreibt Beresin noch. Details über ihre Familiengeschichte erfuhr sie erst, als sie nach dem Tod ihrer Mutter deren Tagebuch las – Grundlage für ihre bislang größte Werkreihe und das Buchprojekt „Acht Und Neunzig Seiten“.
Èva Beresin, Participation in Art Basel Miami 2019 ... as if I had already guessed...
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Mehmet & Kazim
Gilbert & George tragen Anzug und Krawatte, Eva & Adele Glatze und Kostüm – und Mehmet & Kazim Trainingsanzüge in Weiß-Rot. Diese Farbkombination zieht sich konsequent durch ihr ganzes Werk, angelehnt an die deutsche Übersetzung ihres Nachnamens Akal, den sich die auch im echten Leben verwandten „Kissing Cousins“ teilen. Doch nicht nur hinsichtlich der Kolorierung sind die Faksimiles der Collector’s Edition ihrer ersten Monografie typisch Mehmet & Kazim. Das Selbstporträt mit der aus dem Osmanischen Reich stammenden Kopfbedeckung Fes oder das fliegende Handtuch in den signierten „Meanwhile @ the Beach“-Drucken spiegeln die Leichtigkeit, mit der das Künstlerduo Stereotypen in Bezug auf türkisch-deutsche Herkünfte oder Orientalismen begegnet. Vorurteile? Werden weggeküsst!
Mehmet & Kazim, Meanwhile @ the Beach 3
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Jack Pierson
„I have this fan relationship to showbiz.“ Jack Pierson hat ein Herz für Celebrities, weiß aber auch um die Risiken und die Vergänglichkeit von Ruhm. „I chose this old fan magazine as my book project because I like everything about it ‒ the design, the printing and the photography“, sagt der US-Künstler über sein Künstlerbuch „Stardust“, erschienen im Salon Verlag. „I love the subject matter ‒ the stars we remember and the ones we do not. Men, who obviously held a place for a while in the evanescence of Hollywood and youth. I seek to preserve, come what may, the ephemeral.“
Um die harten Bandagen und die Flüchtigkeit des Darsteller*innengewerbes weiß sicherlich auch Channing Tatum, der als Stripper begann, bevor er als Model entdeckt wurde und als Schauspieler Karriere machte. Der Sammleredition aus dem Jahr 2012 liegt zusätzlich zu dem Portrait des jungen Mannes, der da lässig an einer Motorhaube lehnt, ein Fotoporträt des im selben Jahr zum „Sexiest Man Alive“ gekürten Stars von Jack Pierson bei. Und auch wenn Tatum zu jenen gehört, die nicht vergessen worden sind: Über den Arbeiten von Pierson liegt oft der schöne Schatten der Melancholie. „One of the things that’s a disappointment to me about art is that it’s always a memory of something that happened.“ Doch mithilfe seiner Kunst kann man der Vergänglichkeit immer wieder für Momente entfliehen.
Jack Pierson, STARDUST (Exlibris Nr. 21)
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Thomas Scheibitz
In Malerei, Skulpturen, Fotos und Collagen zeigt Scheibitz ineinandergreifende Formen, die man von irgendwoher zu kennen glaubt und die doch ungewohnt erscheinen. In seiner markanten Bilderwelt wird das vermeintlich Vertraute aus Alltagswelt, Geometrie, Popkultur und Kunstgeschichte so weit aus dem Zusammenhang gelöst, dass es in seiner neuen, abstrakten Erscheinungsform nachhallt wie ein Echo: Das Original ist nicht mehr identifizierbar und doch zum Greifen nah. Werke von Scheibitz sind heute international in Museen u. a. in London und Luxemburg sowie in der Sammlung Boros in Berlin vertreten.
Thomas Scheibitz, Untitled II (from the portfolio T.O.A.H)
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Barbara Breitenfellner
Was sagt uns der Blick der geheimnisvollen Nackten hinter der löchrig-schwarzen Oberfläche? Wovon erzählt die schaurig-schöne Szenerie rund um die Frau im schwarzen Kleid? Wer oder was wird da ausgeixt? Wer flüchtet sich von Ast zu Ast vor den zwei jungen Schönen auf dem Feld? Und wer observiert hier wen, die Blonde die zwei Gestalten im Schatten oder umgekehrt? Die Werke von Barbara Breitenfellner werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten geben. Das haben sie mit Träumen gemein, welche die 1969 in Kufstein geborene Wahlberlinerin als Ausgangspunkt nimmt für ihre Wandarbeiten und raumgreifenden Installationen. Ausschnitte aus Modemagazinen, Landschaften und grafische Details überlappen sich in ihrer aus Collage, Siebdruck und Gouache bestehenden Papierarbeiten. Breitenfellner kombiniert intuitiv, den uns umgebenden medialen Bildersturm hält sie für ähnlich bewusstseinsprägend wie Erlebtes. Deshalb sind die von ihr geschaffenen, so verlockenden wie gleichermaßen beunruhigenden Welten nicht nur Abbilder individueller Lebenseindrücke, sondern immer auch solche des kollektiven Gedächtnisses und somit eine Zustandsbeschreibung unserer Gesellschaft.
Barbara Breitenfellner, WVZ 195
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Joel Meyerowitz
Joel Meyerowitz zählt zu den bedeutendsten Mitbegründern der „Street Photography“ und der „New Color Photography“. Seit 1962 fotografiert er in Farbe ‒ seinerzeit ein Novum, denn nur die Schwarz-Weiß-Fotografie war damals als Kunst anerkannt. Gegenstand von Meyerowitz‘ Momentaufnahmen war das pulsierende Leben auf den Straßen New Yorks. Bis heute prägen seine Fotografien unser Bild von der amerikanischen Metropole. Für ein Buchprojekt reiste der in New York und Italien lebende Fotograf Joel Meyerowitz nach Frankreich in die Provence und besuchte in Aix-en-Provence unter anderem das Atelier des Malers Paul Cézanne.
Joel Meyerowitz, Cézanne's Objects. Pitcher
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Heinrich Heidersberger
Der 1906 in Ingolstadt geborene Künstler (gest. 2006) kam nach einem kurzen Studium der Malerei bei Fernand Léger in Paris durch einen „Fingerzeig des Schicksals“, wie Heidersberger es selbst beschrieb, zur Fotografie: durch den Erwerb einer gebrauchten Holzkamera auf dem Marché aux Puces de Saint-Ouen. Befreundet mit Piet Mondrian und dem Surrealisten Yves Tanguy und anderen Protagonisten der Surrealisten, bewegte er sich in einem Paris, in dem die Avantgardekunst ihr weltweites Zentrum hatte.
Anfang der 1960er Jahre wurde Heidersberger nach Wolfsburg gerufen, um den Aufbruch der Stadt zu dokumentieren. Er wurde zu einem der führenden Industrie- und Architekturfotografen. Dass es ihm dabei mehr um Interpretation als um reine Dokumentation ging, zeigt eindrucksvoll die Edition „VW-Bad, Wolfsburg”. 1984 bat das Pariser Centre Pompidou den damals 78-Jährigen um Fotos für die Ausstellung "Image et Imaginaires d´Architecture"
Heinrich Heidersberger, Kleid aus Licht, 1949
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Anna Nero
Es sind merkwürdige Objekte, die uns in den Werken Anna Neros begegnen. Manche erinnern an Dinge, die wir kennen, und doch bleiben es faszinierende Fantasiegebilde. Dass die in Moskau geborene Künstlerin mit Atelier in Frankfurt am Main einen Hang zum Fetischismus hat, ist ihren Bildern anzusehen. Die Beziehung zwischen Menschen und Objekten sieht sie als einen Ursprung der Kunst. „Ich habe keine Lust, nur so formal-ästhetische Wichtigtuer-Malerei zu machen, eine Prise Selbstironie hat noch niemandem geschadet“, meint sie. Titel wie „Jetlag (mit Happy End)“ und „Elvis“ zeugen davon – und bringen noch einmal mehr neue Narrative ins Spiel. Neros Arbeiten wirken durch ihre vermeintliche Dreidimensionalität plastisch, fast dinglich greifbar. Die flächigen, grafischen Hintergründe verankern sie zugleich im Abstrakten. Durch solche Gegensätze und ihre bedeutungsschwangere Rätselhaftigkeit werden wir hineingezogen in diese spannungsgeladene Kunst – beunruhigend wie ein guter Krimi und anregend wie Fantasy.
Anna Nero, Elvis
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Stefan Heyne
Abstraktion beginnt bei Stefan Heyne im Kopf: „Wenn ich arbeite, versuche ich meinen Verstand auszuschalten. Wenn man das Gelernte über die Welt vergisst, wird alles abstrakt und man gewinnt unermessliche Freiheit.“ „Seat“, seine jüngste Fotoserie, entstand an einem perfekten Ort gedankenloser Freiheit – über den Wolken. Auf Reisen rund um die Welt hat der Künstler instinktiv immer einen Fensterplatz gebucht. Fasziniert von der Lichtbrechung des Himmels in den frühen Morgenstunden und der späten Abenddämmerung, angezogen von Phänomenen wie Staub und Asche in der Troposphäre, hat er Fotografien geschaffen, die uns in die Vollkommenheit des Lichtes einhüllen. 40 Arbeiten gehören bisher zur „Seat“-Serie. Sie ist in ihrem Abstraktionsgrad wohl die kompromissloseste Arbeit Heynes. Jedes Motiv vollkommen aufgelöst in Farb- und Formverläufe wird zu etwas Unbeschreiblichem, das nicht mit Worten zu fassen ist, sondern pure Emotion auslöst. Mit konventioneller Fotografie sind diese Arbeiten nicht zu vergleichen, eher mit gegenstandsloser Malerei. Statt den Wahrheitsgehalt eines Bildes zu überprüfen, wird das Bild selbst zum Bild, selbstreflexiv und stark im Ausdruck! Die Serie „Seat“ wurde jüngst in Heynes Überblickshow „Super Vision. The New German Abstraction“ in der Galerie Diane Rosenstein in Los Angeles gezeigt.
Stefan Heyne, Seat 33F
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Lothar Wolleh
Geboren wurde Lothar Wolleh 1930 in Berlin, wo er zunächst an der Kunsthochschule Weißensee studierte. 1950 wurde er wegen angeblicher Spionage von der sowjetischen Besatzungsmacht verhaftet. Sechs Jahre verbrachte er im Arbeitslager Workuta in der UdSSR – eine Erfahrung, die ihn nachhaltig prägte. Nach seiner Freilassung absolvierte er eine klassische Fotografenausbildung im Lette-Verein in Berlin, die er später an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen bei Otto Steinert fortsetzte. Von 1962 bis zu seinem Tod 1979 lebte Wolleh in Düsseldorf. Dort machte er sich zunächst einen Namen als Werbefotograf. Zeitgleich widmete er sich jedoch der Kunst und wurde so zum Chronisten der Düsseldorfer Kunstszene der 1960er und 1970er Jahre, insbesondere der Gruppe ZERO.
Lothar Wolleh, Joseph Beuys II, aus der Serie „Lothar Wolleh und Joseph Beuys 1971“
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Lothar Wolleh
Es greift zu kurz, Lothar Wolleh einfach nur als Fotografen zu bezeichnen. Er war ein leidenschaftlicher Freund und Förderer der Kunst, zugleich war er selbst ein Künstler ‒ ein Künstler, der andere Künstler fotografierte, einer, der mit technischer Präzision sein Medium, die Fotografie, herausforderte und innovative Projekte in Form von Künstlerporträts, Künstlerbüchern oder thematischen Fotomappen anschob. Neben Joseph Beuys lichtete Wolleh unter anderem Lucio Fontana, René Magritte, Otto Piene, Man Ray und Günther Uecker sowie deren Werke ab, oftmals aus eigener Initiative. Entstanden sind Arbeiten, die von großer Sensibilität und einem feinen Gespür für Bildkompositionen zeugen.
Lothar Wolleh, Joseph Beuys III, aus der Serie „Lothar Wolleh und Joseph Beuys 1971“
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Lothar Wolleh
Joseph Beuys und Lothar Wolleh lernten sich Mitte der 1960er Jahre in Düsseldorf kennen. 1971 begleitete Wolleh den Künstler und dessen Frau Eva nach Stockholm, wo das Moderna Museet die erste große Einzelausstellung mit Werken von Beuys außerhalb Deutschlands zeigte, ein bedeutender Moment in seiner Karriere. Über 800 Aufnahmen entstanden in Stockholm – unter anderem die drei Fotografien, die nun als limitierte Foto-Editionen exklusiv bei artflash erscheinen.
Sie zeigen Beuys beim Denken und Konzipieren, umgeben von seinen Werken, im Gespräch. Die Fotografien bieten nicht nur einen Einblick in sein Schaffen und seinen Kunstbegriff, sie fangen auch die Persönlichkeit dieses Ausnahmekünstlers ein und zeugen nicht zuletzt von der besonderen Arbeitsbeziehung zwischen Fotograf und Porträtiertem.
Anders als der Großteil der in Stockholm entstandenen Aufnahmen hält die Fotografie „Joseph Beuys I“ den Künstler nicht in Aktion fest. Stattdessen steht er hier aufrecht, unbewegt in der Bildmitte zwischen zwei seiner Installationen, mit dem für ihn so charakteristischen Filzhut und in pelzbesetztem Mantel. Das Porträt erlangte zu Recht ikonischen Status und befindet sich u.a. in der Sammlung der Tate Modern London.
Lothar Wolleh, Joseph Beuys I, aus der Serie „Lothar Wolleh und Joseph Beuys 1971“
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K. H. Hödicke
Eine „feine Ironie“ und „Skepsis gegenüber der Rolle des Künstlers“ hat man dem Maler K. H. Hödicke attestiert. Auch die signierte großformatige Lithografie „Nichts auf der Pfanne“ von 2001 ‒ zwei leere Pfannen und ein Wasserkocher, mit wenigen lässig-perfekten Strichen skizziert ‒ reflektiert das: Die schon im Titel anklingende Doppeldeutigkeit macht in Bezug sowohl auf das schwierige Künstlerdasein Sinn (Hödicke arbeitete nach seinem Studium zunächst nicht nur an seinen Leinwänden, sondern auch bei der Post) als auch auf den mit Geld gesättigten Kunstmarkt, der als vermeintliches Qualitätskriterium vor allem die Verkaufszahlen eines Künstlers im Visier hat.
K. H. Hödicke, Nichts auf der Pfanne
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William Kentridge
„Why Should I Hesitate“ („Warum sollte ich zögern“) – so lautet der erste Teil des Titels der aktuellen Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen, die William Kentridge in Zusammenarbeit mit dem Zeitz Museum of Contemporary Art Africa (Zeitz MOCAA) konzipiert hat. Der südafrikanische Künstler zitiert hier die Bemerkung eines jungen afrikanischen Soldaten, der im Ersten Weltkrieg einberufen wurde, um am Krieg in Europa teilzunehmen. Was geht ihn das an? Kentridge stellt sich selbst diese Frage in Bezug auf sein eigenes Zögern, sich als weißes Kind für die Belange der Schwarzen einzusetzen. Er schloss sich allerdings bereits in jungen Jahren der Anti-Apartheid-Bewegung an, und die Auseinandersetzung mit Rassismus und Kolonialismus ist tief verwoben in sein Werk. „Putting Drawings to Work“, so lautet der Untertitel der Hamburger Schau, was einmal mehr verdeutlicht: Von der Zeichnung geht bei Kentridge alles aus.
William Kentridge, Why Should I Hesitate / Putting Drawings to Work
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David Shrigley
David Shrigley ist ein Meister der grafischen Symbole. Mit seiner Arbeit „Fire Hydrant“ (2014) widmet er sich dem Thema Brandschutz. Vor rotem Hintergrund erscheint in Weiß die Silhouette eines Feuerlöschers. Das Brandschutzschild wurde von Shrigley jedoch verfremdet: Ihm fehlen das Hinweisschild in Rot auf der Flasche und die auflodernden Flammen daneben. Das Symbol des Feuerlöschers wird damit seiner Funktion enthoben. Was bleibt, ist ein Icon aus einer Flaschenform in kontrastreichem Weiß vor Rot.
David Shrigley, Feuerlöscher
On inquiry
Eberhard Havekost
Die Kunst von Eberhard Havekost fordert uns als Betrachter heraus. Der Dresdner Künstler malt zwar nach Vorlagen – Fotografien, Zeitschriften und Zeitungen, Schnappschüsse, Videos – und teilweise erkennen wir in seinen Ölgemälden auch noch die vorgefundenen Motive, aber auf die Sprünge hilft er uns nicht. Er bildet ab und verfremdet zugleich, macht deutlich, dass Wahrheit eine Sache der Perspektive ist, und wirft dadurch Fragen nach dem eigenen Blickwinkel auf.
Seine Edition „Au“ zeigt uns ein Segelflugzeug beim Windenstart. Gleichzeitig machen die Farbbalken klar, dass Havekost die Vorlage verändert hat. Und der Bildausschnitt lässt einiges offen: Ist das ein Original oder ein Modell? Ist das ein echter Himmel? „Benutzeroberflächen“ nennt Havekost seine Bilder, und da er nicht definiert, was darunter liegt, macht er uns ein wunderbares Kommunikationsangebot an uns selbst!
Eberhard Havekost, AU
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Tony Clough
Shepard Fairey, Kenny Scharf, Space Invader, Cleon Peterson und Friedrich Kunath – das sind nur einige der namhaften Künstler*innen, mit denen Tony Clough in seiner auf Serigrafien spezialisierten Druckwerkstatt „Serio Press“ in Pasadena schon zusammengearbeitet hat. Die Arbeiten sind im Wortsinn handgemacht, die Farben von Hand gemischt und jeweils einzeln gedruckt. Fairey war es auch, der Clough sein Atelier zur Verfügung stellte, bevor dieser – nach einem Grafikdesign-Studium und mehreren Jahren im renommierten Studio „Modern Multiple“ 2013 in die Selbstständigkeit gestartet – seine ersten eigenen Studioräume in Los Angeles eröffnete.
Tony Clough, Mojave Desert In 26 Horizontal Colors
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Jamel Shabazz
Die Karriere von Jamel Shabazz (*1960) als Fotograf begann in den 1980er Jahren, als Jean-Michel Basquiat und Keith Haring die Kunstszene von New York beherrschten. Shabbazz, der in Brooklyn geboren wurde und dort auch aufwuchs, fotografierte in seiner New Yorker Nachbarschaft das alltägliche Leben. Seine Aufnahmen halten förmlich inne, erhaschen die kleinen Momente inmitten der unaufhörlichen Menschenströme auf den Straßen und in der Metro der Megacity.
Jamel Shabazz, Street Photographers of Times Square
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Arthur Elgort
I love...“ ist der Titel dieser großartigen Collector´s Edition, eine über 200 Seiten starke Liebeserklärung des US-amerikanischen Modefotografen Arthur Elgorts an die Frau – an ihre Schönheit, Weiblichkeit, Ausstrahlung und Stärke! Zu der Publikation gehört die auf 30 Stück limitierte Foto-Edition von Elgort, die das Supermodel Gia Ciangari in einem ungewöhnlichen Moment portraitiert: barbusig und mit Lockenwicklern in den Haaren. Entstanden ist das Foto 1980 auf Fire Island. Die damals 20-jährige Gia war zu der Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, im selben Jahr zierte sie das Cover der amerikanischen Vogue.
Elgort gewährt uns mit dem Foto einen sehr intimen Einblick in das Leben eines Supermodels, das 1986 tragisch endete. Gia Ciangari starb 1986 an einer Überdosis Heroin.
Arthur Elgort, I love ... 'Gia Carangi', Fire Island, 1980
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Ralf Peters
Die „Tankstelle Süd“ (2005) sieht nicht aus wie eine dokumentarische Fotografie. Sie sieht aus wie gemalt. Ist dies das Foto einer echten Tankstelle? Oder gehört das Gebäude zu einem Puppenhausensemble in einem Kinderzimmer? Die Tankstelle ist bunt, keine Frage, doch es herrscht Finsternis rundherum. Zu dunkel für kindliche Träume! Der Fotograf Ralf Peters hat diese Tankstelle irgendwo an einer Autobahnausfahrt, in einem Gewerbegebiet oder sonst wo fotografiert. Durch digitale Bearbeitung hat er ihr jedoch die Wirtschaftskraft genommen. Statt Emotionen Menschenleere. Daten und Zeichen fehlen. Jeglicher Hinweis auf einen der großen Ölkonzerne ist eliminiert. Wir sehen eine Fiktion. Legt man den Wahrheitsgehalt als Maßstab an, um das Medium der Fotografie zu charakterisieren, ist diese Aufnahme das Gegenteil einer Fotografie. Auch wenn sie keine Malerei mit Farbe und Pinsel ist, ist sie vielleicht die Zukunft der Malerei, erzeugt durch digitale Gestaltungsmittel. Peters hat sich in seiner künstlerischen Arbeit bereits 1998 den Tankstellen gewidmet ‒ diesem seit der Pop-Art wichtigen urbanen Bildmotiv.
Ralf Peters, Tankstelle Süd
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Ed Ruscha
Ed Ruscha is a pioneer of American conceptual art who influenced artists like Bruce Nauman all the way to Lawrence Wiener.
He is celebrated as the “King of the West Coast” for his unique visual language that reaches all the way from cool, elegant and desolate petrol stations and neon sign advertisements to letter pictures in which he explores the banality of everyday metropolitan life and the mass media.
Ed Ruscha, Metro Mattress #4
Raymond Pettibon
For some, he is "one of the most powerful chroniclers of the American Dream", for others, the illustrator of American punk rock - who designed album covers for bands like "Black Flag" and " Sonic Youth" - is legendary. The artist in question is Californian Raymond Pettibon (born 1957). In the early 1980s, Pettibon began to publish his ink drawings, which often combine socially critical texts with images. The punk fans became art collectors and Pettibon became one of the most sought after contemporary artists to date.
Raymond Pettibon, One more line